Unsere Geschichte


Der Anfang: Julius Meimberg als Kolonialwarenhändler
Am 1. Oktober 1871, als Herne sich vom Dorf zur Kohle-Industriestadt wandelte, wurden auch die Meimbergs von der Lippe nach Herne gelockt, damals ein Ort mit 6000 Einwohnern, wovon etwa 1700 im Bergbau beschäftigt waren. Julius Meimberg begann den Handel mit “Kolonialwaren und Landesprodukten en gros et en detail”. Man verkaufte Molkereiprodukte, frische Eier, viel Mehl und andere Koch- und Backzutaten, Früchte, feine Süßwaren wie “Bisquits und Pralinees” sowie Kaffee aus der eigenen Rösterei. Auf dem unternehmenseigenen Briefpapier stand außerdem: “Petroleum-Großhandel”, “Cigarren-Fabriklager” und “Importgeschäft amerikanischer Fleischwaren”.
Verkauft wurde vornehmlich an Endverbraucher, zunächst kurzzeitig in einem Ladengeschäft auf der Wiescherstraße, dann - nach dem Umzug - auf der Bahnhofstraße 62. Darüber hinaus gab es zwei weitere eigene Kolonialwarengeschäfte, ab 1895 eins in Baukau, ab 1899 ein weiteres in Recklinghausen.

1876 erhielt “Kaufmann und Destillateur” Julius Meimberg die Konzession zum “Kleinverkauf von Spirituosen und Likören”. Bis heute sind uns eine Vielzahl alter, handgeschriebener Rezepturen erhalten geblieben. Die bis dato älteste gefundene “Tagesrezeptur” stammt vom 4. Januar 1882: “Punsch 86 Liter”. Weitere hochprozentige Kreationen des gleichen Jahres waren: Kümmellikör, Anislikör, Alter Schwede, Korn, Boonekamp, Hamburger Bittern, ein Magenbitter namens Doctor – und immer wieder Cognac.


Julius Meimberg als Spirituosen-Fabrikant
Spirituosen gewannen bei Julius Meimberg immer mehr an Bedeutung. Hergestellt wurden sie aus hochprozentigem Alkohol (von Brennereien der Umgebung gekauft), Wasser und Destillaten, beim Likör zusätzlich noch mit Sirup und Zucker. Großes Augenmerk richtete Julius I. auf den Erwerb guter Rezepturen (man korrespondierte mit Zürich, Berlin etc.) und auf die selbst hergestellten und besonders feinen Destillate. Schon vor 1900 stand im Lagergebäude an der Wilhelmstraße (heute Viktor-Reuter-Straße) ein Destilliergerät mit dazugehörigem Dampfkessel. Im Destilliergerät wurden Kräuter, Wurzeln, Blüten, Samen, Rinden, Hölzer und Alkohol über heißem Wasserdampf erhitzt, der mit Hilfe eines Dampfkessels erzeugt wurde. Das Kondensat - Alkohol mit den Auszügen der Kräuter - wurde aufgefangen. Dieses Destillat verlieh einer Vielzahl an Spirituosen ihren speziellen Geschmack. Über zweihundert Rezepturen für diese Kompositionen und ein handschriftlich verfasstes Buch mit Anleitungen, “Tips und Tricks für die Herstellung erstklassiger Spirituosen” gibt es bei uns heute noch im Original.

Julius Meimberg nannte seine Firma zunächst “Kolonial- & Manufakturwarenhandlung, Destillation feinster Liköre auf warmem Wege”. Zur Jahrhundertwende wählte er die Firmenbezeichnung: “Destillation und Likörfabrik”. Die Firma Meimberg war gewachsen, man war Fabrikant geworden. Der nächste Schritt war vorgezeichnet: 1905 übernahm Großvater Julius II. (Urgroßvater Julius war 1902 gestorben) die Dampf-Kornbrennerei Köllermann in der Neustraße 63 und produzierte von nun an den hochprozentigen Alkohol selbst, der als Grundprodukt für seine Kreationen diente und den man bis dato von anderen Herstellern bezogen hatte.

1911 trennte sich Julius II. vom “Kolonialwaren- und Landesproduktenhandel” und konzentrierte sich von nun an voll auf die Spirituosenherstellung. Gleichzeitig wurde der Verkaufsraum im Eckhaus von der Bahnhofstraße in die Wilhelmstraße (heute: Viktor-Reuter-Straße) verlegt. Der Umsatz boomte, aber weniger im Einzelhandel, früher “Kleinverkauf” genannt, als vielmehr im Großhandel. Meimberg hatte mehrere “Reisende” und verkaufte an die “hiesige Wirtekundschaft”. Man annoncierte in Zeitungen und warb für Wirtschaften, in denen man Meimberg-Produkte trinken konnte: Gaststätten in Herne, Bochum, Essen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Duisburg, Recklinghausen, Dortmund, Hagen, aber auch in Düsseldorf und Bremen. Geliefert wurden die Spirituosen nicht unbedingt flaschenweise, sondern oft in großen Korbflaschen und sogar kleinen Fässern. Für die Herstellung der Fässer gab es sogar einen hauseigenen Küfer.

Parallel musste die Produktion ausgedehnt werden. Das Lagergebäude in der Wilhelmstraße wurde kontinuierlich erweitert, 1921 und 1926 wurden ein größerer Dampfkessel sowie zwei zusätzlichen Destilliergeräte angeschafft. Nun hatte man sich endgültig von der Manufaktur zu einer kleinen Fabrik entwickelt und war stolz darauf. Die Produkte waren so gut, dass man sich auf Messen dem fachlichen Urteil stellen konnte: Meimbergsche Spezialitäten wurden mehrfach prämiert. Schnaps und Likör aus dem Hause Meimberg waren zu dieser Zeit in der gesamten Region bekannt. Den höchsten Umsatz an Spirituosen erzielte man im Jahre 1929.


Julius Meimberg als Weinkellerei
In den Preislisten der Jahrhundertwende findet sich bereits eine Auflistung verschiedener Weine. Zumeist waren es Likörweine, damals “Südweine” genannt: Malaga, Madeira, Samos, Sherry, Tokayer. Diese Likörweine wurden fassweise aus dem Ausland bezogen. Sie eigneten sich auch hervorragend zum losen Verkauf. Tischweine konnte man bei den Transportverhältnissen der damaligen Zeit ebenfalls meist nur fassweise kaufen. Jeder, der diese bezog, wurde so quasi automatisch zu einer Weinkellerei, denn diese Weine mussten möglichst schnell nach dem Transport auf Flasche gefüllt werden, wollte man ihre Qualität nicht gefährden. Der Bedeutung als Großhändler entsprechend, erweiterte Meimberg kontinuierlich das Angebot an Tischweinen. Aus den ersten Jahren als Weinkellerei gibt es nicht sehr viele Unterlagen vorhanden, schließlich war das Unternehmen vorwiegend Spirituosenhersteller. Allerdings fanden sich eine beachtliche Zahl eigener, alter Wein-Etiketten. Die ältesten Etiketten lauten auf: “Berncasteler 1908”, “1912er Wiltinger”, “Château Margaux 1905” und “1922er St. Emilion”.

Nach dem Weinbaustudium von Julius III. (dritte Generation) wurde das Weinsortiment systematisch ausgebaut. Während in den 50er Jahren der Spirituosenumsatz kontinuierlich sank, konnte der Weinumsatz innerhalb von 10 Jahren verdoppelt werden. Eine große Rolle spielten dabei zumeist deutsche Weißweine, die im Fass gekauft und im eigenen Keller in Herne auf Flaschen abgefüllt wurden. Verkauft wurden diese Weine vornehmlich an Gaststätten. Im eigenen Einzelhandel gab es diese Wein zwar auch, in der Wahrnehmung der Kunden war Meimberg aber immer noch DIE Spirituosenadresse.

Julius Meimberg wird Spirituosen-Einzelhändler
Die dritte Generation des Hauses, die Brüder Julius und Kurt Meimberg, die nach dem Tod von Julius II. das Ruder Anfang der 50er Jahre übernahmen, hatten es schwer. Sie richteten sich nach den Wünschen der Kunden der 50er und 60er Jahre und erweiterten das Sortiment um eine Vielzahl gängiger und gefragter Markenprodukte, hinzu kamen Tabak- und Süßwaren, Bier und Mineralwasser. Die Verkaufszahlen von Waren aus Eigenproduktion gingen zurück, besonders im Großhandel. So versuchte man, sich auf den Einzelhandel zu konzentrieren. Zwar gab es schon zur Kolonialwarenzeit des 19. Jahrhunderts drei Geschäfte (Bahnhofstraße, Neustraße, Baukau), in den 50er Jahren kamen jedoch noch weitere Ladengeschäfte hinzu. In Sodingen eröffnete man 1953, in Datteln und Gelsenkirchen entstanden 1954 und 1956 je eine Filiale. In Herne-Süd öffnete das Geschäft an der Gräffstraße 1959, gefolgt von Recklinghausen 1966. Besonderes Kennzeichnen der Geschäfte sollte dabei “die lose Abgabe von Spirituosen, Likören und Likörweinen aus Fässern und Pumpen in vom Kunden mitgebrachten Flaschen” sein, zum Teil hießen die Läden deshalb auch “Kornpumpe”. Dabei waren Mischungen gemäß Kundenwunsch möglich, z.B. Pfefferminzlikör mit Rum oder Klarem, Doppelkorn mit Kirschlikör und Rum usw.

Der anfängliche Erfolg hielt nicht lange, denn auf dem Markt setzten sich immer mehr stark umworbene Markenprodukte durch. Im Bereich von Produktion und Kosten hatte das Familienunternehmen mit großindustrieller Herstellung zu kämpfen, im Bereich des Handels mit dem Aufkommen von Groß- und Supermärkten. Im Konkurrenzkampf schrumpfte Meimberg zunächst auf seinen Stammsitz zusammen. Nach einer Explosion in der Brennerei am 16. April 1980 wurde der Brennereibetrieb eingestellt. Von der ursprünglichen Tradition des Hauses war nur noch ein Bruchteil übrig geblieben.


Julius Meimberg als Obstsaftkelterei
Sirupe gab es bei Meimberg schon in der Kolonialwarenzeit, seit 1886 beispielsweise den hauseigenen “Himbeer-Limonaden-Syrup”. Im Jahre 1934 begann die Firma ihr Warenangebot konsequent um alkoholfreie Fruchtsäfte zu erweitern. Zunächst schuf man entsprechende Voraussetzungen durch die Vervollständigung der Unterkellerung des Grundstücks Bahnhofstraße/Wilhelmstraße. Dann kaufte man eine erste Fruchtpresse und startete mit der 1934er Obsternte. Ein Name für diesen Gewerbezweig wurde auch gefunden: “Herner Obstverwertungsgesellschaft”. Verarbeitet wurden hauptsächlich Äpfel, rote und schwarze Johannisbeeren, Sauerkirschen und Himbeeren. Auf dem Weg zur fruchtig-süßen Trinkspezialität machte das Obst halt auf drei Ebenen der Lagerräume. Äpfel wurden im Erdgeschoss nach dem Wasch- und Mahlvorgang direkt gepresst, der Saft wurde im Keller eingelagert. Bei roten Früchten wurden die noch ganzen Früchte unter Zuführung von heißem Dampf in kleineren, im Hof stehenden Kesseln, erhitzt um die Farbe zu extrahieren, anschließend gepresst und in Tanks eine Etage tiefer gefüllt. Auf einer inzwischen eingezogenen Zwischenetage füllte man den eingelagerten Saft schließlich auf Flaschen ab. Die wohl bedeutendste Rolle im Sortiment der Obsterzeugnisse spielte der hauseigene Apfelsaft, der sich rein mengenmäßig von den anderen Säften absetzte und sich unter dem Warenzeichen “IMAS”(Julius Meimberg Apfel Saft) großer Beliebtheit erfreute.
Da schon bald der Platz in den Lagerräumen des Stammhauses nicht mehr ausreichte, kaufte man das Grundstück Wilhelmstraße 3 dazu und baute 1937 eine neue “Obstkelterei”. Sie wurde in den 50er und 60er Jahren mehrmals erweitert und modernisiert. Das neue Gebäude nutzte man ausschließlich zur Herstellung von Apfelsaft und für die Flaschenabfüllung aller Säfte, während die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße der Verarbeitung roter Früchte vorbehalten blieb. Hochphase der Obstsaft-Produktion waren die 50er Jahre. In den 60er Jahren halbierten sich im verschärften Wettbewerb bereits die Umsätze. Ende der 70er Jahren wurde das Obstsaftgeschäft komplett eingestellt.

Julius Meimberg wird Wein- und Spirituosenspezialist
Mit dem Eintritt der 4. Generation im Jahre 1986 (Inhaber: Hartmut Julius Meimberg) bedurfte das Unternehmen eines veränderten Konzeptes. Der Traditionsbetrieb war schon immer DIE Spirituosenadresse in Herne und auch mit Wein handelte man schon seit der Jahrhundertwende. Nun sollte sich die Firma Julius Meimberg auf den Verkauf von Wein und Spirituosen besonderer Qualität spezialisieren.

Im Spirituosenbereich reicht es uns nicht, die bekanntesten Marken der Welt im Regal zu haben. Das könnte ein guter Supermarkt auch. Das neue Profil für Meimberg hieß: ein Spirituosensortiment erster Güte. Nicht die Bekanntheit einer Marke zählt, sondern ausschließlich die Qualität. Inzwischen verfügen wir besonders bei Brandy / Cognac, Grappa, Eau-de-Vie und Malt-Whisky über ein Sortiment der Spitzenklasse, Preiswürdigkeit eingeschlossen.

Der Weinbereich wurde zum Hauptbetätigungsfeld. Die permanente Suche nach besten, individuellen Weinqualitäten hat zu einer Selektion von Weinen geführt, die sich vom übrigen Markt deutlich abhebt. Meimberg kauft nur direkt bei ausgesuchten Weingütern ein und importiert seine Weine aus Italien, Frankreich und Spanien fast ausschließlich selbst.

Julius Meimberg konzentriert sich heute auf den Verkauf erstklassiger Weine und Spirituosen. Aber auch das Alte wird bewahrt. Wir bekennen uns zur Tradition und konzentrieren uns auf das Geschäft im Stammhaus. Die Weitläufigkeit der Lager- und Kellerräume im Hintergebäude wurden den Anforderungen des umfangreichen Eigenimports deutlich angepasst.

In begrenztem Maße gibt es auch heute noch traditionelle Eigenprodukte, insbesondere den “Förderturm”, eine Halbbitter-Spirituose. Darüber hinaus bewahren wir die Historie in Form von Maschinen der eigenen Spirituosenherstellung, der Obstkelterei und Weinkellerei und sammeln Unterlagen, Baupläne, Bilder, Rezepturen, Etiketten und Flaschen. Diese Tradition haben wir ab Herbst 1996 unseren Kunden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Wir renovierten unsere alten, traditionsreichen Räumlichkeiten der Destillation im Stammhaus und statteten sie mit dem Fundus einer über 130-jährigen Geschichte aus. Die Destillation, neben unserem Ladengeschäft gelegen, wurde wichtiger Bestandteil einer eigenen Gastronomie.

Julius Meimberg als Gastronom
Seit 1988 veranstaltet Hartmut Julius Meimberg. regelmäßig kulinarische Weinproben und Menüs und bereichert damit die gehobene Gastronomie des mittleren Ruhrgebiets. 1996 baute er im eigenen Haus um: Eine Bier- und Schnapskneipe und die alte Destillation wurden räumlich verbunden und in ein Bistro überführt. Als Pächter fand sich eine Gastronomie aus Bochum. Das Konzept mit guter Convinience-Küche scheiterte. Zwei Jahre arbeitete Julius Meimberg danach mit angestellten Köchen. Langsam reifte ein eigenes Gastro-Konzept. Das Bistro wurde zum Weinrestaurant umgestaltet, angeboten werden nun mehrgängige Menü-Veranstaltungen. Die Gerichte sind mediterran ausgerichtet und orientieren sich an den zum Menü angebotenen Weinen. In der Küche stehen engagierte Hobbyköche zusammen mit dem Chef des Hauses. Er ist ebenfalls Hobbykoch - seit Jahren. Inzwischen ist der Erfahrungsschatz groß und die Arbeit im Restaurant sehr erfolgreich. Die Küche sucht immer neue Herausforderungen auf immer höherem Niveau.

Die Firmenchefs der Firma Julius Meimberg:

1. Generation (ab 1871): Julius I., gestorben 1902

2. Generation (ab 1903): Julius II., gestorben 1950

3. Generation (ab 1950): Julius III, gestorben 1969, und
Bruder Kurt, gestorben 1998

4. Generation (ab 1986): (Hartmut) Julius IV.